Die Gäste der Weihnachtsfeier lieben Trude Backes
Monika Hintsches ist immer wieder gerne bei der Weihnachtsfeier vom Arbeitslosenzentrum (ALZ). Zum ALZ hat sie auch wegen persönlicher Erlebnisse eine besondere Verbindung.
Von Gabriele Schulz
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Entspannt sitzt Monika Hintsches (56) im Café van Dooren. Hier ist die Musikerin und Kabarettistin gerne und oft, zum Beispiel zum Frühstücken. „Eicken ist es sehr bunt“, sagt Hintsches über „ihr“ Viertel. „Hier leben Schützenbrüder, Senioren, Menschen mit kleinem und noch kleinerem Geldbeutel und auch Leute, die hier ein Haus gekauft und renoviert haben“. Als genauso bunt empfindet sie auch die ganze Stadt: „Mönchengladbach war noch nie eine Hochglanzstadt“, findet die 56-Jährige. „Die Arbeitslosen sind mittendrin. Man sollte nicht so tun, als gäbe es sie nicht“. Auch aus diesem Grund findet die Musikerin es wichtig, dass das Arbeitslosenzentrum (ALZ) mitten in der Stadt bleiben soll. Und weil das Gebäude für die Arbeitslosen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Als die 56-Jährige zum ersten Mal gehört hat, dass das ALZ vom jetzigen Standort weg soll, hat sie gedacht: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Die Stadt wird schön gemacht und das Arbeitslosenzentrum passt nicht mehr“. Der Verein habe investiert, das Haus aufgemöbelt und die Küche aufgemotzt, „und jetzt ist alles nicht mehr gut genug“. Wenn die Stadt sich nicht darauf einlassen könne, dass das ALZ am jetzigen Standort bleibe, solle man wenigstens eine gute Alternative bieten, also ein barrierefreies, zentrumsnahes Gebäude.
Hintsches erstes „Gesangstraining“ war Jodeln mit der Oma
Die Mönchengladbacherin kommt aus einer Arbeiterfamilie. Sie war die erste in der Familie, die auf einer höheren Schule war, und „dann wollte ich auch noch Schauspielerin und Sängerin werden. Das war hochgradig beängstigend“, erzählt die 56-Jährige. Auf der anderen Seite wurden in der Familie schon früh die Grundlagen für die Karriere von Hintsches gelegt. So hatte die kleine Monika etwa im Alter von sechs Jahren das erste „Gesangstraining“: Ihre Oma brachte ihr das Jodeln bei. Auch sonst gehörte in der Familie „das Singen dazu wie Essen, Trinken und Schlafengehen“. Sogar beim Spülen wurde gesungen. Sängerin und Schauspielerin wollte sie dann schon sehr früh werden: mit 12 Jahren. Hintsches hat sich auch schon ziemlich früh daran gemacht, ihren Traum umzusetzen: Ihre ersten Auftritte hatte sie bereits mit 14 Jahren mit Gitarre in Mönchengladbacher Jugendheimen und Teestuben. Schon in ihren ersten Texten haben sich ihre Lebensthemen herauskristallisiert: „Brich auf! Mach, was Dir gefällt! Träume nicht nur, mach es!“ Mit sechzehn gründete sie die erste Band „Ohio“. Gespielt wurde die Musikrichtung „West Coast“, z.B. Bob Dylan und Neil Young. Es folgten etliche weitere Bands.
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Die Musikerin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht
Nach einem Sozialpädagogikstudium arbeitete Hintsches einige Jahre im sozialen Bereich. Dann wagte sie 1999 der Sprung in die Selbstständigkeit als Musikerin und Kabarettistin.
Seit 1999 ist die Musikerin Chorleiterin des groove!chores mit etwa 60 Musikerinnen und Musikern. Zudem tritt sie seit 2006 mit dem Vokalquintett „ballyhoo“ auf – die fünf interpretieren bekannte Nummern mal jazzig, mal soulig, mal balladesk. Als Duo ist sie seit 2015 mit dem Pianisten Janek Wilholt (28) NRW-weit mit dem Programm „Leider viel zu faul“ unterwegs. Das Programm ist bunt – mit Liedern von Monika Hintsches selber als auch mit Coverversionen von Hildegard Knef, Ulla Meinecke, Nina Hagen, Trude Herr – alles modern interpretiert. Mit dem Musizieren hat die frühere Sozialpädagogin ihr „Hobby zum Beruf gemacht“. Hintsches: „Ich habe das Glück, im Beruf etwas zu tun, was mir sehr viel Freude macht“. Sie liebt Musik egal welcher Stilrichtung. Mit ihrer Tätigkeit möchte sie „Leute berühren.“.
Vielen ist Monika Hintsches als Kultfigur Trude Backes bekannt, die ältere Dame mit Rock, Blazer und Hut, die viel „über das normale Leben zu erzählen hat“, sagt die 56-Jährige. „Oft hat Trude politische Themen in ihre Küche geholt“, erzählt die Kabarettistin. So hat sie Politik oft mit Würzhack verglichen: „Keiner weiß, was drin ist und man muss davon aufstoßen“. Die Figur ist etwa 2001
entstanden. Hintsches trat als Trude bei Geburtstagen auf und kam so gut an, dass ganze Programme entstanden. Besonders gut gefallen hat der 56-Jährigen an dieser Figur gefallen, „dass ich mich ausleben konnte und Sachen sagen konnte, die ich im Alltag nicht sagen konnte, weil die Leute beleidigt wären“. Gemeinsam habe Hintsches mit ihrer Trude eigentlich nur „ihr vorlautes Mundwerk“. Ansonsten nicht viel: Die Mönchengladbacherin hat keine fünf Kinder und einen Mann, der nicht „Willi“ heißt – sondern Achim (54). Viele Jahre blieb die Kabarettistin ihrer Figur Trude treu, tourte mit ihr sogar durch Deutschland. Dann erkrankte Hintsches 2013 schwer. Sie verabschiedete sich 2015 von Trude und entschied sich „für das, was mir wichtiger ist – die Musik“.
Die 56-Jährige war selber ein halbes Jahr lang arbeitslos
Zu besonderen Gelegenheiten kommt Trude aber immer mal wieder – zum Beispiel zur Weihnachtsfeier vom Arbeitslosenzentrum. Hintsches: „Die Gäste lieben Trude“. Die Kabarettistin findet die Atmosphäre „schön und sehr eigen. Auf der Feier sieht man jede Menge gelebtes Leben. Die Leute sind auf ihre Weise unglaublich charmant. Ich mag sie. Sie sind es wert, dass man sich um sie kümmert und sie nicht vergisst“.
Monika Hintsches hat einen besonderen Bezug zum Thema Arbeitslosigkeit, weil sie nach dem Sozialpädagogikstudium selber ein halbes Jahr lang arbeitslos war. Hintsches: „Nach vier Monaten fällt einem die Decke auf den Kopf“. Über ihre sozialpädagogische Tätigkeit hat sie das Arbeitslosenzentrum kennengelernt, es für eine gute Sache befunden und ist seit 1985 Mitglied. Auch durch ihre eigene Selbstständigkeit, durch die sie zwar „ihre eigene Herrin“ ist, aber „kein Netz und doppelten Boden“ hat, ist ihr ist klar, dass „unsere Sicherheit nur eine vermeintliche Sicherheit ist. Es kann ruck zuck gehen und man ist raus“ - vor allem durch Krankheiten.
Aus diesen Gründen setzt sich Hintsches auch für die Arbeitslosen ein: Seit 1999 veranstaltet die Musikerin mit dem groove!chor Benefizkonzerte – der Erlös geht ans ALZ. Für die Zukunft des ALZ wünscht sie sich, dass die Standort-Situation geklärt wird und dass weiterhin viele Unterstützer den Verein mittragen.









