Artikel

Tipps

Ihr Engagement macht unsere Arbeit möglich - und die wiederum macht viele unserer bedürftigen Menschen glücklich. Hier können Sie spenden: Stadtsparkasse MG, IBAN DE06 3105 0000 0000 0484 05

Unsere Info-Flyer
als Download

Angebote, Tipps, Kontaktadressen und Öffnungszeiten auf einen Blick bietet der Info-Flyer, den es bei uns als gedrucktes Exemplar und hier als Download gibt.

Info Flyer ALZ MG

Info Flyer ALZ MG RUMÄNISCH

Inflo Flyer ALZ BULGARISCH

Beratungsstelle Arbeit Flyer

Hilfe bei der Jobsuche

Hier finden Sie hilfreiche Links zu Firmen / Arbeitgebern. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Aktivitäten. mehr>

Die Stadt Mönchengladbach fördert Projektbereiche des Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V.

 

Im Arbeitslosenzentrum in Stadtmitte hilft Mariya Kaplunovska nicht nur vielen Ukrainer/innen

„Manchmal weiss ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, sagt Mariya Kaplunovska (Foto). Der Satz der 31-Jährigen sagt viel aus über ihre Arbeit im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ). Kaplunovska, gebürtige Ukrainerin, ist seit 1. Juli 2022 in der Beratungsstelle Arbeit tätig, die vom Land NRW aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird. Das Arbeitslosenzentrum folgt damit dem Wunsch der NRW-Landesregierung, eine Beratung anzubieten, die geflüchteten Menschen, besonders aus der Ukraine, bei der beruflichen Neuorientierung, der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt und sie vor ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen schützt. Und dabei hat Mariya Kaplunovska viel zu tun, wie sie sagt.
Das mit dem Lachen oder Weinen hängt mit ihren Ratsuchenden zusammen. Und vielleicht auch damit, dass sie für diese Personen täglich im deutschen Labyrinth der Sozial-Bürokratie Wege und Auswege finden muss. In komplex-schwierigen Fällen aber gehe sie noch zu ihren Kollegen. Die ALZ-Berater Julian Strzalla und Karl Sasserath sind erfahrene Leute -„und mir gegenüber sehr hilfsbereit“, lacht die junge Frau. Mittlerweile hat sie in Eicken eine Wohnung gefunden. „Hier komme ich zur Ruhe und kann die oft belastende Arbeit schnell ablegen“.
So international wie ihre Biographie ist auch der Kreis derjenigen, die Kaplunovska um Rat und Hilfe bittet. Dass unter den Menschen, die - eine Terminabsprache ist schon notwendig - bei ihr anklopfen, derzeit vorwiegend Geflüchtete aus der Ukraine sind, ist verständlich. Nach wie vor fliehen viele von ihnen vor Krieg und Winterkälte auch nach Mönchengladbach. Mehr als eine Million Ukrainer/innen leben derzeit in der Bundesrepublik. Die 31-Jährige: „Viele Frauen müssen wie ein Mann sein.“ Gemeint: Sie müssen in der neuen Umgebung das erledigen, was in der Heimat häufig der Mann macht. Das Rollenschema - er arbeitet, sie ist zu Hause und auch für die Kinder da - ist in dem kriegserschütterten Nachbarland weitaus stärker verbreitet als hierzulande. Hinzu kommen Traumata, Schmerz und Heimweh. Kaplunovska sagt dazu: „Diese Menschen haben viel Stress im Kopf." Die Fragen und Sorgen der Besucher/innen sind sehr häufig dieselben: Wo beantrage ich finanzielle Hilfe, wo kriege ich eine Wohnung, wo gibt es einen Kita-Platz, wo kann ich Deutsch lernen, wo können Zeugnisse anerkannt werden, wo finde ich eine Arbeit?
Dabei unterstützt Mariya Kaplunovska, beschäftigt mit halber Stelle, so, wie sie es zeitlich schafft. Sie begleitet manchmal die Leute zum Jobcenter oder fragt nach, warum nach Monaten immer noch kein Kindergeld überwiesen wurde. Das kostet viel Zeit, so die Erfahrung der 31-Jährigen.
 
Unlängst erschien ein Syrer, der dem Jobcenter seine Kontoauszüge vorlegen sollte. Aber der Mann verstand nicht, für welchen Zeitraum. Die Angabe für die Monate neun bis zehn war ihm unverständlich. Bis die Beraterin ihm erklären konnte, dass es sich um September und Oktober handelt. Gerade hier sei ihr klar geworden, betont sie, wie wichtig Deutsch- bzw. Englisch-Kenntnisse sind. Der Mann kann zudem kaum Lesen und Schreiben. „Ich sage allen, die mich um Hilfe bitten, lernt Deutsch, dann wird euer alltägliches Leben leichter.“ Gleichzeitig sei es aber auch schwer, in einen Sprachkurs vermittelt zu werden.
Sie selbst spricht Ukrainisch,, Russisch, Deutsch und Englisch, hat in der Ukraine an der Fakultät für internationale Beziehungen studiert. Und mittlerweile u. a. ein Intensivseminar in Sachen Hartz IV/Bürgergeld sowie einige Weiterbildungen hinter sich.
 
Wie kommt es, dass sie so gut Deutsch spricht, dieses Land als „meine zweite Heimat“ bezeichnet? Sie habe schon mit neun Jahren Kontakt zu Mönchengladbach gehabt. Genauer zu einer Hardter Gastfamilie. Die habe sie regelmäßig besucht. Das habe sie positiv geprägt. Der Kontakt kam über die Städtepartnerschaft Kanew-Viersen zustande. Kaplunovska ist in Kanew geboren, hat mehrere wie längere Auslandsaufenthalte hinter sich.
 
Bevor wir das Gespräch beenden, weist sie auf „etwas sehr Wichtiges“ hin: Zahlreiche ihrer „Kunden/innen“ haben einen Job gefunden. Ob als Krankenpflegerin oder im Lebensmittelladen. „Wir haben ihnen bei der Bewerbung geholfen und ihnen Tipps gegeben.“
Im Arbeitslosenzentrum war da auch Georg Beer gefragt. Er ist im ALZ der Mann für Bewerbungshilfen. Und das mache er gut, wie er immer wieder von Ratsuchenden hört.

Text: Herbert Baumann