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Ruth Buchanan EIN GARTEN MIT BRÜCKEN (Wirbelsäule, Magen, Kehle, Ohr)
Ein Projekt für die Neuen Auftraggeber von Mönchengladbach

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10-17 Uhr

Die Stadt Mönchengladbach fördert Projektbereiche des Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V.

 

Aktionswoche zur menschwürdigen Arbeit
Beratungsstelle Arbeit Mönchengladbach informiert Beschäftigte von Essenlieferanten

In diesem Jahr beauftragte der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW Karl-Josef Laumann die Beratungsstellen Arbeit Kontakt zu den Beschäftigten von Essenlieferanten zu suchen. Ziel der Aktionswoche anlässlich des Welttages zur menschenwürdigen Arbeit ist es, die Beschäftigten dieser Branche über ihre Rechte zu informieren. 

Im Vorfeld zur Umsetzung dieses Auftrages betrieb die Beratungsstelle Arbeit Mönchengladbach (BSA) eine umfangreiche Recherchearbeit vor Ort. Intensiv arbeiteten sich die Beschäftigten gemeinsam mit der Beratungsstelle in der Transformation (BSA-T) in Trägerschaft des Arbeitslosenzentrums in die Thematik ein. 

Mit Hilfe der GIB in Bottrop wurde der Kontakt zur zuständigen Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in Düsseldorf gesucht. Von dort wurden wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse zum Verständnis dieses komplexen und neuartigen Arbeitsfeldes beigesteuert. 

Essenlieferanten wie Lieferando, Flink oder Uber Eats, aber auch Flaschenpost oder Picnic gehören zur sogenannten Plattform - Ökonomie. Dazu zählen Unternehmen, die wesentliche Teile ihres Geschäftsmodells in den digitalen Raum verlagert haben. Über Apps, die sie zumeist als App auf ihren Smartphones installiert haben, bestellen Kundinnen und Kunden Nahrungsmittel aller Art bei den genannten Essenlieferanten. Diese wiederum liefern die bestellten Lebensmittel über ihre Kuriere aus. Ein Unternehmen wie Flink bedient sich dazu zahlreicher Fahrradkuriere, die von einem zentralen Ort zumeist in der Innenstadt gelegen, die Bestellungen an die Kundinnen und Kunden ausliefern. Diese Beschäftigten sind beim Unternehmen Flink beschäftigt und werden von diesem mit zumeist mit einem Stundenlohn, der sich in der Höhe des gesetzlichen Mindestlohns bewegt, entlohnt. 

Für die Auslieferungsfahrenden bilden Trinkgelder ein wesentliches Zusatzeinkommen. Dabei ist die Höhe der erzielten Trinkgelder abhängig von der Anzahl der Bestellungen, die innerhalb einer Arbeitsschicht ausgeliefert werden. Je mehr ein Essenslieferfahrer an Bestellungen ausliefert, desto höher ist das mögliche Zusatzeinkommen, das an zusätzlich erzielt werden kann. Ein Fahrer berichtet uns am Infostand, dass in seinem Festvertrag der Stundenlohn auf um die 13,- EURO brutto festgelegt ist. Aber mit den erzielten Trinkgeldern kommt er auf 15, 16 und manchmal auf 17,- EURO brutto pro Stunde. Die Kunden bezahlen die bestellten Waren bei Lieferung über die App; worüber gleich auch das Trinkgeld online gebucht wird. 

Der Fahrer berichtet, dass der Verdienst aber stark von den Jahreszeiten abhängig ist. Ist das Wetter im Frühjahr und Sommer gut, kann er viele Lieferungen erledigen. Ganz anders sieht es dagegen im Winter, wenn es kalt aus. „Dann muss ich mich dick anziehen und trage auch mehrere Handschuhe übereinander, um den Frorst abzuwehren. Dazu passiert es mir, dass ich vier bis fünfmal in der Stunde mit dem Fahrrad verunglücke, weil die Straßen so glatt und die Wege vereist und der Schnee nicht weggeräumt ist, zu dem wird es viel früher dunkel.“ Dazu klagt er über ständig wechselnde Arbeitszeiten. „Wenn Kollegen erkranken, wird kurzfristig per App aus Berlin mein Schichtplan geändert. Arbeite ich normaler Weise von 8.00 Uhr bis 16:00 Uhr, kommt donnerstags die Anweisung, dass ich freitags von 16:00 Uhr bis 24:00 Uhr zu arbeiten habe.“ Diese wechselnden Arbeitszeiten seien besonders für Beschäftigte mit Frauen und Kindern sehr belastend, weil sie eine Lebensplanung stark beeinflussen würden. „Ich sehe dann meine Kinder nicht und kann mich auch nicht um sie kümmern.“, berichtet er. Gleichzeitig erzählt er von Problemen, die sein Sohn in der Schule mit einem Lehrer habe.“ 

Seine Frau und er bräuchten Unterstützung bei der Aktualisierung ihrer Lebensläufe. Wir raten im dazu, Kontakt mit der Bewerbungshilfe in unserem Arbeitslosenzentrum aufzunehmen. Er bedankt sich für den Rat. 

Im Laufe unseres fast vier Stunden dauernden Einsatzes gelangen wir zu einem tieferen Einblick in die betrieblichen Abläufe und die Organisation des Essenslieferanten Flink: Wir erleben wie ein großer Lastkraftwagen eines beauftragten Logistikers auf Palletten auf der Aufschrift REWE große Menge an Lebensmitteln und Kühlboxen an die Flink-Filiale liefert. Gleichzeitig wird umfangreiches Verpackungsmaterial abtransportiert.

Der Eindruck entsteht, das Unternehmen Flink wird vom Einzelhandelsgiganten REWE beliefert und beherrscht. Anstatt die Fahrradkuriere beim Unternehmen REWE zu den tariflichen Bedingungen des Einzelhandels zu beschäftigten, bedient sich der Lebensmittelkonzern des Subunternehmens Flink. 

Für das Unternehmen REWE rechnet sich dieses Geschäftsmodell durch den damit verbundenen hohen Umschlag an Waren, im Vergleich zu den tariflich Beschäftigten bei REWE geringeren Lohnkosten, durch den Vorteil im Gegensatz zu stationären Einzelhandelsflächen auf hohe Ladenmieten und Betriebskosten durch ein ambulantes Gewerbe verzichten zu können.

Flink rekrutiert seine Essenslieferfahrer durchweg aus männlichen Beschäftigten unter 30 Jahren, die körperlich belastbar sind. Für die Beschäftigung als Kurierfahrer ist keine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich. Ein Fahrer berichtet uns, dass auf Krankenstände häufig schnell die Kündigung folge. 

Von den ca. 30 Beschäftigten haben ca. 50 der Belegschaft eine Migrationsgeschichte. Die Arbeit als Essensauslieferfahrer ist für Personen ohne abgeschlossene bzw. formale Berufsausbildung, mit geringen Sprach- und Schrift- und Lesekenntnissen attraktiv. Zu den Fahrern gehören Beschäftigte mit pakistanischer oder indischer Nationalität, Bangla-Desh sowie Geflüchtete aus dem Irak.

Die Fahrenden mit denen unser Beratungsteam in Kontakt tritt, sind durchweg an unseren Informationen interessiert. Wir verteilen Informationen zum Arbeitsrecht, zum Arbeitsvertrag, ein Antragsformular zur Aufnahme in die Gewerkschaft, einen Hinweis auf die Beratungsstellen Arbeit in NRW sowie den Flyer des Arbeitslosenzentrums. Auf dem Umfeld kommen spontan Interessierte an unseren Stand und lassen sich über unser Beratungsziel informieren. Auch eine Altenpflegehelferin lässt sich in einer arbeitsrechtlichen Angelegenheit informieren. 

Patrick Storck, der Vorsitzende des DGB-Kreis Mönchengladbach unterstützt unsere Aktion durch sein Dabeisein. Gegen 14:00 Uhr beenden wir die Aktion am 6.10.2026.