Eine römische Funzel für ein leuchtendes Vorbild
Karl Sasserath, Leiter des Mönchengladbacher Arbeitslosenzentrums, erhält den Journalisten-Preis „Niederrhein-Leuchte“
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Was hat eine kleine tönerne Funzel mit Pressefreiheit und mit dem Leiter des Mönchengladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) zu tun? Wenn man so will: einiges.
Karl Sasserath, langjähriger Leiter der Einrichtung gegen Arbeitslosigkeit, hat jetzt die so genannte Niederrhein-Leuchte erhalten. Diese Leuchte ist eine kleine Öllampe, die vor Jahren bei Ausgrabungen in Krefeld-Gellep entdeckt wurde und jahrhundertelang millionenfach das „Römische Reich“ erleuchtete. Man hatte damals keine anderen effizienten Lichtquellen. Jene Funzel ließ der Niederrheinische Presseverein nachbilden – und verleiht sie seit 40 Jahren an Menschen in der Öffentlichkeit, die sich um einen fairen und vor allem offenen Umgang mit den Medienvertretern bemühten. „Karl Sasserath ist so eine Persönlichkeit, die wir auszeichnen möchten“, sagte Michael Obst, Vorsitzender des Vereins, dem rund 60 Medienleute angehören. Sasserath sei die „Stimme der anderen“, jener Männer und Frauen, die von der Gesellschaft wenig bis gar nicht wahrgenommen würden. Er halte den Fokus (Leuchte) auf die, die angesichts ihrer prekären Lebensumstände am Rande lebten, leben müssen. „Karl Sasserath bringt diese Menschen ins Licht.“
Die „leuchtende“ Auszeichnung solle Zeichen sein für „Offenheit statt Abschottung, Transparenz statt Hinterzimmer“. Nicht erst seit gestern seien die öffentlichen Debatten rauer geworden, heikle Themen würden medial gemieden, beklagte Obst. Und wer Position bezieht, der werde benachteiligt und diffamiert. Erfahrungen, die auch Sasserath gemacht hat, wenn er u.a. soziale Kürzungen durch die Politik als kontraproduktiv bzw. menschenverachtend kritisierte. Für ihn nehmen die Medien – die meisten zumindest – bei der öffentlichen Kommunikation der demokratischen Gesellschaft „die zentrale Rolle“ wahr.
Gleichwohl ist die Pressefreiheit in Gefahr. Weltweit werden JournalistInnen ermordet, Zensur und Gängelei nähmen zu. Das bedauerte u.a. Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD). Er nannte als Beispiel die Washington Post, die nach dem Kauf durch den Milliardär Jeff Bezos Hunderte Medienleute entließ und vor allem den Kurs wechselte. Hin zu einem republikanischen Präsidenten, dem kriminelle Machenschaften nicht fremd erscheinen. Aber auch hierzulande üben vornehmlich Lobbyisten mächtig Druck auf die „öffentliche Meinung“ aus.
Zurück zu Karl Sasserath: OB Heinrichs nannte ihn einen „wertvollen Menschen“. Sasserath dankte nicht nur für die Auszeichnung, die ihm eine besondere Ehre sei. Er bedankte sich auch beim ALZ-Team, das die Feier mit rund 40 Gästen vorbereitete und mit Suppen, Häppchen und verschiedenen Getränken „schmackhaft“ gestaltete. Ein herzlicher Dank ging auch an die Sponsoren, Freunde, Förderer und Mitglieder des ALZ. Sie seien in einer Zeit, in der die schwarz-rote Bundesregierung ständig von Kürzungen bei den Sozialausgaben (u.a. bei der Grundsicherung) töne, wichtiger denn je.
Aktuell sucht das ALZ eine(n) neue(n) LeiterIn für den mittlerweile 73-jährigen Diplom-Sozialarbeiter Sasserath. Der bleibt der Einrichtung an der Lüpertzender Straße 69 aber erhalten. Als Vorstandsmitglied: „Mister ALZ“ möchte weiter leuchten.








