„Neuer Typ“ bei Hilfesuchenden
Mitgliederversammlung des Arbeitslosenzentrums / Beseitigt die Stadt Mönchengladbach eine „Ungerechtigkeit“?

Der Typ des Ratsuchenden im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) hat sich deutlich verändert. Das sagte ALZ-Leiter Karl Sasserath in der Mitgliederversammlung. Dass der Trägerverein 2025 ein sattes Minus verzeichnen muss, hängt mit der Stadt Mönchengladbach und Mehrkosten im Küchenbereich zusammen.
Laut Sasserath sind die Zeiten, in denen der „klassische Arbeiter“ z.B. nach einer Kündigung um Beratung bittet, seltener geworden. Rund 80 Prozent der ratsuchenden Besucher*innen haben Migrations-Hintergrund und arbeiten mit den Tücken befristeter Verträge vorwiegend in der Logistikbranche. Viele von ihnen bei Amazon, wo es nun mithilfe der Gewerkschaft Verdi einen Betriebsrat gibt. Fast alle Beratungsfälle sind zeitlich aufwändiger geworden. Was vor allem für Anträge für Wohngeld bzw. Kindergeldzuschlag oder auch die Leistungen der Bildungs- und Teilhabe gilt. Oft dauert eine Beratung zwei Stunden und mehr. Einige der Gründe: Behörden (Jobcenter, Sozial-, Wohnungsamt etc.) sind schlecht oder gar nicht erreichbar, viele ALZ-Kunden verstehen auch mangels Deutsch-Kenntnissen den Formular-Dschungel nicht oder fühlen sich „wegen hoher bürokratischer Hürden gegängelt“. Die Arbeitsausbeutung habe zugenommen und viele Gesichter, berichtet Mariya Kaplunovska (Beratungsstelle Arbeit im ALZ).
Mit rund 3000 Beratungen (auch telefonisch oder per Mail) jährlich ist das ALZ-Team voll ausgelastet. Allen voran Julian Strzalla. Nach einer Vereinbarung (Leistungsvertag) zwischen Stadt MG und ALZ ist der Diplom-Pädagoge für die Sozialberatung zuständig: Eine städtische Aufgabe übernahm also das ALZ – mit Erfolg. Doch aus dem drei Jahre laufenden Leistungsvertrag machte das Stadt-Sozialdezernat einen Zuwendungsbescheid. Bedeutet: Jährliche Tarifsteigerungen, die bislang vom Auftraggeber Stadt übernommen wurden, sind gestrichen. Für dieses tarifliche Mehr muss Arbeitgeber ALZ jetzt selber aufkommen – insgesamt mehrere 1000 Euro. Notgedrungen kommt das Geld aus der kleiner werdenden Rücklage. Sasserath: „Das können wir uns auf Dauer nicht leisten, und es ist nicht fair, dass wir als freier Träger, der wir eine gesetzliche Aufgabe erfüllen, benachteiligt werden.“
Bisherige Gespräche mit Stadt und Politik blieben erfolglos. Bezirksbürgermeister Michael Hildemann (SPD), Gast in der Runde, hörte bei dem brisanten Thema ebenso aufmerksam zu wie Grünen-Ratsfrau Marion Manske und Bezirksvertreterin Claudia Rocholl (SPD). Auch künftig werden alle ALZ-Beschäftigten nach Tarif bezahlt.
Mit 11 399 (2024: 2664) frischen Mittagessen bleibt das Konsumverhalten der bedürftigen Besucher*innen hoch. Sponsoren (Gladbacher Tafel, Wilberz-Stiftung) sorgen weiterhin für „heiße Herdplatten“. Dafür gab es von den Mitgliedern und vom ALZ-Team dankenden Applaus.
Das ALZ-Modell aus Beratung, Begegnung und Mittagstisch will der Vorstand konsequent fortsetzen. Geplant sind in Verbindung mit Partnern: stärkere Nutzung (Veranstaltungen) des Kunst-Gartens mit Brücken hinter dem Gebäude, Paten, die im Begegnungsbereich mit den Besuchern quatschen, mit ihnen Eigeninitiativen entwickeln usw.. Sasserath: „Auch bei uns gibt es nicht wenige, die alleine sind und darunter leiden.“ Dagegen müsse man etwas tun.
Wer mehr über die ALZ-Tätigkeit wissen und wer beispielsweise ehrenamtlich mitarbeiten möchte (z.B. im Vorstand):







